Arbeitsprogramm

Im Rahmen der Arbeiten werden kurz-, mittel- und langfristige Analysen unterschieden, die jeweils dazu dienen, die Chancen und Risiken des Pervasive Computing für die technisch vernetzte bzw. integrierte Gesundheitsversorgung zu adressieren.

 

Arbeisprogramm PerCoMed


Bezugsobjekte der Analysen sind stets technische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte. Die Betrachtung aller drei Bereiche ist notwendig, um den Spezifika des Gesundheitssystems Rechnung zu tragen:
  • Gesellschaftlich ist das Gesundheitssystem dahingehend besonders, dass die Kosten für die Leistungen in diesem Bereich die Refinanzierungsmöglichkeiten zu überschreiten drohen, Einsparungen und Effizienzsteigerungen unumgänglich scheinen und auf genereller Ebene breite Zustimmung finden. Individuell allerdings ist die persönliche Gesundheit – in unterschiedlichen Konnotation verstanden als z.B. Recht und Chance auf Leben oder auch als Fitness – das wichtigste persönliche Gut und damit einer der sensibelsten persönlichen Bereiche. Hinzu kommt, das dem modernen Sozialstaat zunehmend die Aufgabe zugesprochen wird, einen Beitrag zu leisten, um existenziellen Notlagen vorzubeugen und zu Selbsthilfe und Eigenverantwortung anzuregen. Wissenschaftliche Analysen müssen dieser Ambivalenz Rechnung tragen.
  • Ökonomisch ist das Gesundheitssystem dahingehend eine Herausforderung, dass es sich um eine Branche im Umbruch handelt, in der nicht nur die "unternehmerischen Projektantrag „PerCoMed“ Welten öffentlich getragener Regionalkrankenhäuser und privat getragener Gesundheitskonzerne aufeinander treffen, sondern in der das "Ökonomisieren" generell einen "Beigeschmack" aufweist. Im Krankheitsfall ist der Patient ungern "nur" Kunde und Ziel preisdifferenzierenden Anbieterstrategien.
  • In Hinblick auf technische Fragestellungen stellen sich besondere Herausforderungen nicht nur durch die Komplexität der medizinischen Fachdomäne, sondern auch durch die Komplexität der technologischen Lösungen sowie durch die spezifischen regulatorischen Anforderungen (z.B. Sicherheit, Zuverlässigkeit, Angebotsabdeckung).
Die Analysen der Nachwuchswissenschaftlergruppe werden anhand zweier Fallstudien mit der Neurologie des Rhön-Klinikum bearbeitet, um konkrete Erkenntnisfortschritte erzielen zu können. Aufbauend auf den Fallstudien und einer begleitenden Analyse der technischen Entwicklungen im umfassenden Gebiet des Pervasive Computing in der medizinischen Versorgung erfolgt – gemeinsam mit dem Softwareunternehmen n-Tier construct – die Generalisierung der Ergebnisse im Hinblick auf die Innovations- und Technikanalyse "Pervasive Computing in der vernetzten medizinischen Versorgung". Dazu werden auf der Grundlage verschiedener partizipativer Methoden der Innovations- und Technikanalyse die bestehenden Wertvorstellungen und erkennbaren Handlungsspielräume identifiziert, die sich in den Prozessen der Technikentwicklung für die beteiligten Unternehmen sowie Politik und Wirtschaft eröffnen. Berücksichtigung finden auch die noch weitgehend ungeklärten Fragen des Umgangs mit den entstehenden großen (verteilten) Mengen persönlicher Daten.

Projektbegleitend wird ein Partizipationskonzept entwickelt und umgesetzt. Hierdurch ist sichergestellt, dass die verschiedenen wissenschaftlichen Fachdisziplinen und gesellschaftlichen Interessensgruppen – und damit auch die unterschiedlichen Fachterminologien, Erfahrungen und Hintergründe sowie die jeweils zugrunde liegenden Prioritätensetzungen, Ziel- und Wertvorstellungen – in den diskursiven Bewertungsprozess einbezogen werden. Das Partizipationskonzept integriert sowohl fallstudienbezogene als auch fallstudienübergreifende Akteure.

Hierauf aufbauend werden schließlich Handlungsoptionen und -bedarfe für die Technologien und Technologiefelder des Pervasive Computing in der medizinischen Versorgungabgeleitet.